Multi Jet Fusion

Als HP in den 3D-Druckmarkt eingestiegen ist, war das nicht einfach mit einem neuen Drucker, sondern mit einer komplett neuen Technologie: Multi Jet Fusion (MJF). Das Ziel war klar: 3D-Druck weiterentwickeln – hin zu hochwertigen nicht-funktionalen Modellen für Präsentation, Visualisierung und Formstudien.

MJF ist, ähnlich wie SLS, ein Pulverbett-Verfahren. Dabei wird ein Behälter mit Nylonpulver verwendet, um detailreiche Modelle ohne Supportstrukturen herzustellen. Während SLS mit einem Laser Schicht für Schicht arbeitet, nutzt MJF Techniken aus dem 2D-Inkjet-Bereich, für die HP bekannt geworden ist. Das Ergebnis ist ein Prozess, der deutlich effizient und für entsprechende Anwendungen sehr attraktiv sein kann.

Wie funktioniert Multi Jet Fusion?

Der Prozess beginnt ähnlich wie bei SLS: Eine dünne Pulverschicht wird über die Bauplattform verteilt. Statt eines Lasers bewegt sich jedoch ein Druckkopf über das Bett und bringt über tausende Düsen (Nozzles) zwei unterschiedliche Flüssigkeiten auf.

  • Fusing Agent: Eine schwarze, wärmeabsorbierende Tinte, die genau dort aufgetragen wird, wo das Modell entstehen soll.
  • Detailing Agent: Eine Flüssigkeit, die das Verschmelzen an den Rändern gezielt bremst. Sie wird sehr präzise entlang der Konturen aufgebracht, damit klare Linien und feine Details entstehen.

Direkt nach dem Auftragen dieser Flüssigkeiten fährt eine starke Infrarotlampe darüber. Der schwarze Fusing Agent nimmt die Wärme auf und sorgt dafür, dass das Pulver darunter verschmilzt und zusammenfließt. Das Pulver, das nicht aktiviert wurde (oder an dem der Detailing Agent liegt), bleibt kühler und verschmilzt nicht. Das geschieht über die gesamte Breite des Druckbetts in einem fließenden Durchgang.

Der große Vorteil: gleichmäßige Bauteilqualität

Einer der größten Vorteile von MJF ist die sehr gleichmäßige Qualität der Teile. Weil der Schmelzprozess kontrolliert und homogen abläuft, entstehen dichte Modelle mit geringer Porosität und ähnlichen Eigenschaften in alle Richtungen. Für nicht-funktionale Anschauungsmodelle, Architekturmodelle oder Präsentationsobjekte ist das besonders interessant, wenn eine saubere, homogene Optik gefragt ist.

Farbe und Oberfläche

Eine Besonderheit von MJF ist die Farbe. Weil der Fusing Agent schwarz ist, kommen die Objekte standardmäßig grau aus dem Drucker. Das wird oft als „Raw Grey“ bezeichnet. Für eine professionelle Anmutung werden MJF-Modelle nach dem Druck häufig schwarz eingefärbt. Dadurch entsteht eine tiefschwarze Oberfläche mit leicht körniger, matter Textur, die angenehm wirkt und kleine Gebrauchsspuren optisch gut kaschiert.

Wann ist MJF sinnvoll?

MJF ist stark, wenn mehrere identische oder ähnliche Modelle in kleiner Serie gefragt sind. Wenn etwa eine größere Anzahl komplexer Kunststoff-Ansichtsmodelle oder Formstudien benötigt wird, kann MJF eine effiziente Lösung sein, ohne dass für jeden Anwendungsfall eine eigene Werkzeugform nötig ist.

Es eignet sich auch gut, wenn sehr feine Details oder Texte auf dem Modell sichtbar sein sollen; dank des Detailing Agent wirken diese oft sehr sauber. Für Privatpersonen ist die Technologie meist nur über einen 3D-Druckservice sinnvoll zugänglich, im professionellen Umfeld ist sie für anspruchsvolle Präsentations- und Display-Anwendungen jedoch sehr beliebt.

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