MJF: Pulverfusion mit Fusing Agents

Multi Jet Fusion (MJF) ist das Pulververfahren von HP: ein Druckkopf bringt Flüssigkeiten auf Nylonpulver auf, dann lässt Infrarotwärme das Teil gezielt zusammenschmelzen. Heraus kommen feste, isotrope Teile ohne Stützstruktur. Wir drucken selbst mit FDM und SLA — dieses Verfahren haben wir nicht im Haus.

Leestijd7 Min. Lesezeit
CategorieDruckverfahren

MJF-Druck (Multi Jet Fusion) schmilzt Nylonpulver Schicht für Schicht mit Fusing Agents und Infrarotwärme zusammen, in Lagen von etwa 0,08 mm — anders als das verwandte Laser-Sintern, das dafür einen Laser nimmt. Ein Druckkopf bringt über jede Pulverlage zwei Flüssigkeiten auf: einen Fusing Agent dort, wo das Teil entstehen soll, und einen Detailing Agent an den Rändern, damit die scharf bleiben. Danach heizen Infrarotlampen die ganze Lage. Nur wo der Fusing Agent sitzt, nimmt das Pulver genug Wärme auf und verschmilzt.

Wie beim Laser-Sintern trägt das lose Pulver rundherum die Überhänge und Hohlräume. Das MJF-Verfahren braucht also keine Stützstruktur, und die Teile lassen sich dicht nebeneinander im Pulverbett verschachteln. Die Teile werden fest und auffallend isotrop, mit einer feinen, matten Haut. Typisch ist die graue Farbe: aus der Maschine kommen sie grau und werden für ein gleichmäßiges Aussehen oft gefärbt. Wir drucken selbst mit FDM und SLA. Dieses Verfahren bieten wir nicht an — braucht dein Teil es, sagen wir das offen und verweisen dich weiter.

Wie das Verfahren Schritt für Schritt abläuft

Ein Rakel zieht eine dünne Lage Nylonpulver auf. Der Druckkopf bringt darauf den Fusing Agent auf, wo Material entstehen soll, und den Detailing Agent entlang der Ränder.

Infrarotlampen heizen die ganze Lage. Wo der Fusing Agent sitzt, nimmt das Pulver die Wärme auf und verschmilzt, der Rest bleibt Pulver. Das Bett senkt sich, und das Spiel wiederholt sich. Wie genau ein Teil dabei ausfällt, ist eine Frage der Maßgenauigkeit der Anlage, nicht eine Zusage von uns.

Nach dem Druck kühlt der Pulverkuchen kontrolliert ab. Dann werden die Teile ausgepackt, gereinigt und bei Bedarf gefärbt oder anders nachbearbeitet. Die feine, matte Haut wirkt auf die Oberflächenqualität ganz anders als die Schichtlinien im FDM.

  • Schichthöhe: Typisch etwa 0,08 mm (80 µm).

  • Isotropie: Fest und auffallend isotrop: gleichmäßige Eigenschaften in mehreren Richtungen.

  • Farbe: Die Teile kommen grau aus der Maschine; für ein gleichmäßiges Aussehen werden sie meist gefärbt.

MJF-Kennzahlen im Überblick
Schichthöhe
≈ 0,08 mm
80 µm
Material
Nylonpulver (PA12, PA11)
dazu TPU und PP
Zugfestigkeit PA12
≈ 48 MPa
Bruchdehnung ~20 %
Isotropie
stark isotrop
gleichmäßig in mehreren Richtungen
Stützstruktur
nicht nötig
das Pulver trägt das Teil
Oberfläche
fein, matt, grau
für Farbe wird gefärbt
Indikative Branchenwerte zur Orientierung — keine Spezifikation und kein Angebot von Online 3D Drucken. Wir drucken in Linz ausschließlich mit FDM und SLA.

Multi Jet Fusion neben FDM und SLA

Indikative Einordnung von Multi Jet Fusion gegenüber den zwei Verfahren, die wir anbieten. Ein höherer Wert heißt: passt für diese Eigenschaft besser.

EigenschaftMulti Jet Fusion (MJF)FDMSLA
Mechanische Festigkeit
Isotropie
Komplexe Form ohne Stützstruktur
Kleine bis mittlere Serien
Feines Detail und glatte Oberfläche
Preis pro Einzelstück

Stärken vom MJF-Verfahren

  • Feste, auffallend isotrope Teile
  • Keine Stützstruktur nötig, viel Formfreiheit
  • Effizient für kleine bis mittlere Serien
  • Feine, gleichmäßig matte Haut
  • Gut reproduzierbar und maßhaltig

Grenzen vom MJF-Verfahren

  • Teile kommen grau aus der Maschine, Farbe heißt Färben
  • Matte, leicht körnige Oberfläche, nicht hochglänzend oder klar
  • Industrieanlage von HP, bei kleinen Dienstleistern nicht im Haus
  • Hohle Teile brauchen Öffnungen, damit das Pulver rauskommt
  • Weniger feines Detail als im SLA
Was machen Fusing und Detailing Agent?

Der Fusing Agent ist eine Flüssigkeit, die Wärme aufnimmt. Er kommt dorthin, wo das Teil entstehen soll, damit dieses Pulver unter den Infrarotlampen verschmilzt. Der Detailing Agent kommt an die Ränder und kühlt dort, damit die Kontur scharf bleibt.

Wofür Multi Jet Fusion verwendet wird

Solche Teile stecken in funktionalen Prototypen und in kleinen bis mittleren Serien: Gehäuse, Clips, Adapter und technische Bauteile, die mechanisch geprüft oder wirklich benutzt werden. Die Mischung aus isotroper Festigkeit, stützfreier Formfreiheit und Verschachtelbarkeit macht das Verfahren zu einer gängigen Wahl für Fertigungsteile in Kunststoff.

Bei uns läuft die vergleichbare Route über FDM: feste Funktionsteile in technischen Kunststoffen wie PETG oder Polycarbonat, pro Einzelstück oft günstiger, und mit SLA das feine Detail. Was am Ende den Preis treibt, steht im Kostenvergleich. Verlangt deine Serie ausdrücklich die isotrope Festigkeit oder die Formfreiheit vom MJF-Verfahren, dann denken wir mit und verweisen dich an einen passenden Fertiger.

Multi Jet Fusion gegenüber dem Laser-Sintern

Das MJF-Verfahren und das Laser-Sintern sind beide stützfreie Pulverfusion mit Nylon, und in der Praxis konkurrieren sie direkt. Die Unterschiede stecken im Detail. Bei der Wärmequelle: im Laser-Sintern schmilzt ein Laser, der den Querschnitt nachzeichnet, das MJF-Verfahren nimmt Fusing Agents und Infrarotlampen, die eine ganze Lage auf einmal heizen. Darum kann MJF-Druck bei gefüllter Plattform schnell und gleichmäßig sein.

Bei der Isotropie: MJF-Teile sind meist auffallend gleichmäßig in verschiedenen Richtungen, angenehm bei mechanisch belasteten Teilen. Bei Oberfläche und Farbe: MJF-Teile haben eine feine, matte Haut, kommen aber grau aus der Maschine, gesintertes Nylon ist meist heller. Beide werden oft gefärbt. Alle Werte dazu sind indikative Datenblattwerte aus der Branche.

Was das für deine Wahl heißt

Das MJF-Verfahren ist eine starke Wahl für funktionale Serien in Nylon mit komplexen Formen. Diese Funktionsteile liefern wir selbst mit FDM in technischen Kunststoffen — pro Einzelstück oft günstiger und mit breiter Materialauswahl — und das feinste Detail mit Resin im SLA. Wie sich unsere zwei Verfahren zueinander verhalten, steht im Beitrag FDM oder SLA. Lad dein Modell einmal im Drucktool hoch, dann siehst du den Preis sofort. Die Lieferzeit liegt in der Regel bei 7–10 Arbeitstagen und wird bei der Bestellung bestätigt, versendet wird nach Österreich, Deutschland, Belgien und in die Niederlande.

Häufige Fragen zum MJF-Verfahren

Serie Funktionsteile gebraucht?

Wir drucken mit FDM und SLA und denken mit

  • FDM für feste Funktionsteile in Kunststoff
  • Für Multi Jet Fusion verweisen wir gezielt weiter
  • Beratung zu Material und Verfahren
Druckverfahren ansehen