Bei mechanischer Nachbearbeitung (zum Beispiel Schleifen) wird Material abgetragen, um eine glatte Oberfläche zu erreichen. Bei chemischer Nachbearbeitung nutzen wir die Eigenschaften des Kunststoffs selbst. Durch bestimmte Lösungsmittel oder Beschichtungen kann die äußere Schicht eines 3D-Drucks beeinflusst werden: Sie kann geglättet, verbunden oder versiegelt werden. Das führt oft zu einer glatteren, gleichmäßigeren und in vielen Fällen auch optisch hochwertigeren Oberfläche – ganz ohne Schleifpapier.
Chemische Nachbearbeitung
Welches chemische Mittel für welches Material?
Entscheidend ist, das passende chemische Mittel zum jeweiligen Material zu wählen. Eine falsche Kombination zeigt entweder keine Wirkung oder beschädigt das Modell.
- ABS / ASA + Aceton: Die bekannteste Kombination. Aceton löst ABS direkt an. Das kann für Vapor Smoothing (Dampfen) oder für eine starke Klebemasse („ABS Slurry“) genutzt werden.
- PVB + Isopropanol (IPA): PVB (PolyVinylButyral) ist speziell dafür ausgelegt, mit Alkohol geglättet zu werden. Es ist im Vergleich zu Aceton meist einfacher zu handhaben und ideal für transparente Drucke.
- HIPS + Limonen: HIPS wird oft als Supportmaterial verwendet. Es löst sich vollständig in Limonen (ein Extrakt aus Zitrusschalen), wodurch auch komplexe Modelle mit innenliegenden Stützstrukturen möglich sind.
- PLA: PLA ist chemisch sehr beständig. Übliche Haushaltsmittel helfen hier kaum. Industrielle Mittel wie Ethylacetat funktionieren zwar, sind für den regulären Einsatz aber oft zu heikel. Für PLA empfehlen wir daher meist eine Beschichtung (siehe unten).
Chemisches Verkleben (Solvent Welding)
Statt Sekundenkleber, der eine zusätzliche Schicht zwischen zwei Teilen bildet, können Sie mit Lösungsmitteln eine nahtlose Verbindung erzeugen. Wenn Sie etwas Aceton auf zwei ABS-Stücke auftragen und sie zusammendrücken, verbinden sich die Kunststoffe miteinander. Nach dem Verdunsten entsteht ein gemeinsamer Körper.
Tipp: Stellen Sie Ihr eigenes Füllmaterial her, indem Sie Reststücke des Filaments in einem Glas mit dem passenden Lösungsmittel auflösen. Diese „Paste“ hat exakt die gleiche Farbe wie Ihr Druck und eignet sich sehr gut, um Löcher oder Nähte aufzufüllen.
Epoxy-Beschichtung (XTC-3D)
Da sich PLA chemisch nur schwer glätten lässt, ist eine Beschichtung oft die beste Lösung. Eine Epoxy-Beschichtung (wie XTC-3D) ist ein Zweikomponentenharz, das auf den Druck aufgetragen wird. Das Harz ist selbstnivellierend: Es fließt in die Drucklinien und zieht sich von selbst glatt.
- Vorteile: Es macht viele Filamente – auch PLA – glatt und hochglänzend, ohne Schleifen. Außerdem kann die Oberfläche dadurch deutlich gleichmäßiger und widerstandsfähiger wirken.
- Nachteile: Ein wenig Detail geht verloren, weil die Beschichtung feine Strukturen leicht überzieht. Scharfe Kanten werden etwas runder.
Sicherheit
Chemische Nachbearbeitung erfordert klare Sicherheitsmaßnahmen. Lösungsmittel sind oft flüchtig, brennbar und beim Einatmen gesundheitlich belastend. Arbeiten Sie immer in einem gut belüfteten Raum und tragen Sie geeignete Handschuhe (Nitril). Lesen Sie vor der Verwendung immer das Sicherheitsdatenblatt (SDB) der eingesetzten Stoffe.