Vapor Smoothing

Der große Wunsch in der 3D-Druck-Nachbearbeitung ist, die Druckschichten möglichst unsichtbar zu machen, sodass das Objekt wirkt, als käme es direkt aus einer Form. Vapor Smoothing (auch chemisches Glätten) ist eine Technik, mit der das ohne stundenlanges Schleifen gelingen kann. Dabei wird das Modell Dämpfen eines passenden Lösungsmittels ausgesetzt. Die äußere Schicht des Kunststoffs wird dabei leicht angelöst. Die Oberflächenspannung zieht die Rillen der Drucklinien zusammen, wodurch ein extrem glattes und glänzendes Ergebnis entstehen kann.

Welche Materialien sind geeignet?

Nicht jeder Kunststoff reagiert gleich auf Chemikalien. Wichtig ist die richtige Kombination, sonst passiert kaum etwas oder das Modell wird zu stark angegriffen.

  • ABS / ASA + Aceton: Das ist die bekannteste Methode. ABS und ASA reagieren auf Aceton. Wenn Aceton in einer geschlossenen Box erwärmt oder kalt vernebelt wird, greift der Dampf das Kunststoff-Äußere an. Das Ergebnis kann eine hochglänzende, fast glasartige Oberfläche sein.
  • PVB (PolyVinylButyral) + Isopropanol (IPA): PVB ist ein Spezialfilament, das sich ähnlich wie PLA drucken lässt, aber auf Alkohol reagiert. Das ist deutlich weniger heikel als der Umgang mit Aceton. Ein Nebel aus reinem Alkohol (IPA 99,9 %) kann dieses Material sehr glatt erscheinen lassen.
  • PLA: PLA ist für klassisches Vapor Smoothing nicht geeignet. Es reagiert kaum auf Aceton. Es gibt zwar Chemikalien, die wirken können (wie THF oder Chloroform), diese sind aber extrem giftig und für den privaten bzw. nicht-industriellen Bereich nicht zu empfehlen.

Die Vorteile

  • Ästhetik: Das Modell erhält eine professionelle, glänzende Oberfläche, die mit Schleifen nur schwer erreichbar ist – besonders in Vertiefungen und komplexen Formen, wo man mit Schleifpapier schlecht hinkommt.
  • Festigkeit (Z-Achse): Durch das leichte Verschmelzen der äußeren Schichten kann die Verbindung zwischen den Schichten verbessert werden. Dadurch kann das Objekt weniger anfällig für ein Auseinanderziehen der Schichten wirken.
  • Hygiene und Wasserbeständigkeit: Die Oberfläche wird geschlossen und weniger porös. Das kann verhindern, dass sich Schmutz in den Rillen festsetzt, und kann das Objekt optisch dichter wirken lassen.

Die Nachteile und Risiken

Vapor Smoothing ist ein aggressiver Prozess. Hängt das Modell zu lange in den Dämpfen, können feine Details verloren gehen, etwa scharfe Kanten oder Schrift. Außerdem wird der Kunststoff vorübergehend weich, wodurch dünne Wände einsinken oder sich verformen können.

Sicherheit geht vor

Der Umgang mit Lösungsmitteln birgt Risiken. Aceton ist sehr leicht entzündlich und die Dämpfe können die Atemwege reizen. Achten Sie immer auf:

  • Gute Belüftung: Arbeiten Sie im Freien oder unter einer professionellen Absaugung.
  • Kein offenes Feuer: Vermeiden Sie Funken oder Wärmequellen in der Nähe der Dämpfe.
  • Schutz: Tragen Sie Handschuhe (Nitril) und eine Schutzbrille.
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