Einen 3D-Druck schleifen: von grob nach fein

Schleifen ist die Grundlage für fast jede glatte Oberfläche. Wer von einer groben zu einer feinen Körnung aufbaut, bekommt Schichtlinien und Stützspuren weg. Und Lack füllt diese Linien nicht — er macht sie sichtbarer. Darum kommt das Schleifen zuerst, und nicht zum Schluss.

Leestijd9 Min. Lesezeit
CategorieNachbearbeitung

Schleifen ist die zugänglichste Nachbearbeitung für einen 3D-Druck: Mit Papier, Wasser und Geduld bringst du ein FDM-Teil von rund Ra 6–12 µm in den Bereich Ra 1,6–3,2 µm, und die sichtbaren Schichtlinien verschwinden zum größten Teil. SLA-Teile kommen mit Ra 1–3 µm schon viel glatter aus der Maschine und brauchen vor allem örtlich Arbeit, dort wo die Stützpunkte gesessen haben.

Das Prinzip ist einfach. Du fängst grob an, damit Unebenheiten und Stützreste wegkommen, und gehst dann in Stufen auf immer feinere Körnung, damit die Kratzer der vorigen Stufe verschwinden. Lässt du eine Stufe aus, bleiben die tiefen Kratzer sichtbar — und zwar besonders dann, wenn später Lack draufkommt. Lack füllt Schichtlinien nicht, er macht sie sichtbarer. Wir drucken selbst mit FDM und SLA; leichte Nachbearbeitung wie Schleifen und das Entfernen von Stützspuren ist möglich. Sag uns einmal, wie das Teil am Ende ausschauen soll, dann denken wir mit, was sinnvoll und machbar ist.

Körnungsaufbau: von grob nach fein

Indikative, in der Branche gängige Körnungsstufen. Arbeite aufsteigend und lass keine großen Sprünge aus, sonst bleiben die Kratzer der vorigen Stufe sichtbar.

120–180 (grob)
Grobe KorrekturStützreste, Kanten, große Unebenheiten
220–320 (mittel)
EgalisierenSchichtlinien wegarbeiten, Fläche herstellen
400–600 (fein)
Basis für die Grundierungideal zum Grundieren und Lackieren
800–2000+ (sehr fein)
Feine EndoberflächeSeidenglanz; nötig vor dem Polieren
Nassschleifen
ab rund 400führt Wärme ab und spült den Staub weg
Ergebnis FDM
Ra ≈ 1,6–3,2 µmvon unbearbeitet Ra ≈ 6–12 µm

Nass oder trocken schleifen?

Bei Kunststoff hat Nassschleifen ab rund Körnung 400 den Vorzug. Das Wasser führt die Reibungswärme ab, spült den Schleifstaub weg, damit das Papier nicht zusetzt, und gibt ein gleichmäßigeres Ergebnis. Wichtig ist das vor allem bei wärmeempfindlichem Material: PLA erweicht schon rund 55–60 °C, und trocken kann die Reibungswärme die Oberfläche verschmieren statt abzutragen.

Trocken schleifen geht gut für eine schnelle Korrektur mit gröberer Körnung, macht aber feinen Staub und mehr Wärme. Wer trocken arbeitet, nimmt eine Staubmaske und lüftet gut. Bei Resin schleifst du immer nass: Der Staub von nicht ganz ausgehärtetem Harz reizt und gehört nicht in die Lunge.

Je Material: worauf du achtest

  • PLA: Wärmeempfindlich, erweicht schon rund 55–60 °C. Schleif ruhig und am besten nass, damit die Oberfläche nicht verschmiert. Lässt sich danach gut polieren.

  • PETG: Zäh und ein wenig gummiartig, kann beim Schleifen zu schmieren anfangen. Nass und mit gleichmäßigem Druck geht es am besten. Spiegelglatt wird dieses Material nur schwer.

  • ABS und ASA: Gut schleifbar und wärmebeständiger (Tg rund 100–105 °C). Eine gute Basis für Lack; für diese zwei ist Acetondampf ein chemischer Weg zu einer gleichmäßigen Oberfläche.

  • Resin (SLA): Immer nass, mit Handschuhen und Maske. Kommt schon glatt aus der Maschine, darum vor allem örtlich an den Stützpunkten. Das Teil muss vorher vollständig nachgehärtet sein.

  • Flexibel (TPU/TPE): Schwierig, weil das Material unter dem Papier ausweicht und das Papier zuläuft. Mechanisch wird flexibles Material selten wirklich sauber.

Schütz dich vor dem Schleifstaub

Feiner Kunststoff- und Harzstaub ist nicht gesund zum Einatmen. Schleif nass, wo es geht, arbeite in einem gut gelüfteten Raum und nimm beim trockenen Schleifen eine Staubmaske. Den trockenen Staub kehr gleich zusammen und gib ihn in ein Sackerl, damit er sich nicht in der ganzen Werkstatt verteilt. Bei Harz gehören Handschuhe und eine Schutzbrille dazu.

Schritt für Schritt schleifen

  1. Stützen entfernen und abstehende Reste sauber wegknipsen oder wegschneiden, bevor du anfängst.
  2. Mit der richtigen Körnung anfangen: grob (120–180) nur dort, wo es wirklich nötig ist, sonst nimmst du unnötig viel Material weg.
  3. Gleichmäßig schleifen, mit leichtem Druck und wechselnder Richtung, damit keine flachen Stellen und keine Rillen entstehen.
  4. Die Körnungen aufsteigend durchgehen (220 → 320 → 400 → 600 …) und zwischendurch abspülen oder abwischen, damit lose Körner keine Kratzer ziehen.
  5. Die Oberfläche säubern und trocknen lassen.
  6. Mit einer dünnen Grundierung kontrollieren: Unter dem gleichmäßigen Grau siehst du jeden Kratzer und jede Schichtlinie, die noch da ist, und kannst gezielt nachschleifen.

Die Ausrichtung entscheidet, wie viel Arbeit bleibt

Wie viel Schleifarbeit ein Teil braucht, steht schon vor dem Druck fest: über die Ausrichtung auf dem Bett und über die Schichthöhe. Flächen, die senkrecht oder waagrecht stehen, kommen am glattesten aus der Maschine, während flach geneigte Flächen den stärksten Treppeneffekt zeigen und darum die meiste Arbeit machen. Auch die Stelle der Stütze zählt: Wo die Stütze das Teil berührt hat, bleiben raue Spuren. Durch kluges Drehen halten wir Stützen und sichtbare Linien so weit wie möglich von den Flächen weg, die schön werden sollen.

Sag darum beim Hochladen dazu, welche Flächen man später sieht. Dann wählen wir eine Ausrichtung, die die spätere Schleifarbeit klein hält — das spart dir Zeit, wenn du selbst fertigmachst, und gibt eine bessere Basis für die Grundierung. Was direkt aus der Maschine heraus erreichbar ist, steht bei der Oberflächenqualität.

Schleifen nimmt Material weg

Jede Körnung trägt ab. Bei einer Sichtfläche ist das eh der Sinn der Sache, bei einer Passung nicht: Eine Bohrung wird weiter, ein Zapfen dünner, eine Steckverbindung lockerer. Beim Lackieren läuft es dann genau umgekehrt, weil jede Schicht Grundierung und Lack aufbaut. Eine Passung, die knapp gedacht ist, geht nach dem Lackieren womöglich nicht mehr zusammen.

Gib uns die kritischen Maße darum vorher durch, samt der Flächen, die passen müssen. Dann bleiben diese Stellen ungeschliffen, oder wir lassen etwas Material stehen. Was an Maßgenauigkeit am Ende herauskommt, hängt vom Teil ab, das klären wir bei der Anfrage.

Alternativen und Ergänzungen zum Schleifen

Schleifen ist nicht immer der schnellste Weg zu einer glatten Oberfläche. Für ABS und ASA ist Vapor Smoothing ein chemischer Weg, der auch in tiefe Ecken kommt. Willst du eine gleichmäßige Farbe, kombinierst du Schleifen mit einem Füller, der die letzten Schichtlinien auffüllt — auffüllen kann halt nur der Füller, der Farblack und der Klarlack darüber nicht. Und für Hochglanz oder ein transparentes Ergebnis schleifst du bis zu einer sehr feinen Körnung durch und polierst danach. Schleifen ist in allen diesen Fällen die Vorbereitung: je besser die Basis, desto schöner das Ergebnis.

Bei kleinen Details, scharfen Kanten oder feiner Schrift ist weniger Schleifen besser — die verschwinden sonst. Dann nimm lieber SLA, das kommt schon fein und glatt aus der Maschine und braucht kaum Nacharbeit. Den Preis siehst du sofort nach dem Hochladen im Drucktool. Die Lieferzeit liegt in der Regel bei 7–10 Arbeitstagen und wird bei der Bestellung bestätigt. Versand nach Österreich, Deutschland, Belgien und in die Niederlande.

Warum Schleifen funktioniert

  • Günstig und mit einfachem Werkzeug machbar
  • Nimmt Schichtlinien und Stützspuren sichtbar weg
  • Die beste Vorbereitung vor Grundieren, Lackieren oder Polieren
  • Funktioniert auf fast allen steifen Materialien (PLA, PETG, ABS, ASA, PC, Resin)

Wo es an Grenzen kommt

  • Arbeitsintensiv und zeitaufwändig bei großen oder komplexen Formen
  • Feine Details und scharfe Kanten runden ab
  • Tiefe Ecken und kleine Löcher sind schwer erreichbar
  • Trägt Material ab, und das verändert knappe Passungen
  • Flexibles Material lässt sich kaum sauber schleifen
Warum in der Körnung aufsteigen?

Jede Körnung lässt Kratzer zurück, die ein wenig feiner sind als die der vorigen Stufe. Wer stufenweise aufsteigt, löscht damit jedes Mal die Kratzer davor. Springst du von grob direkt auf sehr fein, bleiben die groben Kratzer unter dem Glanz sichtbar.

Häufige Fragen zum Schleifen

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Schleifen ist meistens der erste Schritt; Polieren und Lackieren bauen darauf auf.

Soll das Teil glatt und fertig ankommen?

Sag uns, wie es am Ende ausschauen soll, dann denken wir mit

  • Wir drucken mit FDM und SLA und entfernen die Stützspuren
  • Rat zu Material und Ausrichtung für eine saubere Oberfläche
  • Kritische Maße vorher durchgeben, dann bleiben Passungen ungeschliffen
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