Polieren

Polieren ist der letzte Schritt in der mechanischen Nachbearbeitung. Während Schleifen dazu dient, Material abzutragen und die Form zu korrigieren, geht es beim Polieren darum, die mikroskopisch feinen Kratzer vom Schleifpapier zu beseitigen. Das Ergebnis ist eine spiegelglatte, glänzende Oberfläche, die die Farbtiefe des Filaments oder der Lackierung besonders gut zur Geltung bringt.

Die goldene Regel: Die Vorbereitung ist alles

Polieren kann ein schlecht geschliffenes Modell nicht retten. Wenn nach dem Schleifen noch Drucklinien oder tiefe Kratzer sichtbar sind, werden diese beim Polieren eher betont. Beginnen Sie erst mit dem Polieren, wenn das Objekt mindestens mit Körnung 2000 oder 3000 (wasserfest) vorgeschliffen ist. Die Oberfläche sollte sich bereits seidig anfühlen und gleichmäßig matt sein.

Poliermittel (Compounds)

Sie brauchen eine Polierpaste. Das ist eine cremige Substanz mit sehr feinem Schleifmittel darin.

  • Kunststoff-Politur: Spezielle Pasten für Acrylglas oder Scheinwerfer funktionieren auf PLA und PETG sehr gut.
  • Metallpolitur (z. B. Brasso): Eine günstige und wirksame Option, die man fast in jedem Haushalt findet. Sie funktioniert gut, kann aber manchmal einen weißen Schleier hinterlassen, wenn sie nicht sauber auspoliert wird.
  • Auto-Commandant: Polierpaste für Autolack (grün oder rot) eignet sich sehr gut für lackierte 3D-Objekte.

Manuell vs. maschinell polieren

Mit der Hand

Verwenden Sie ein Mikrofasertuch oder ein altes Baumwolltuch. Tragen Sie etwas Paste auf und reiben Sie mit kreisenden Bewegungen über die Oberfläche. Das kostet Zeit und Kraft, gibt Ihnen aber die meiste Kontrolle. Weil kaum Wärme entsteht, ist das Risiko für Verformungen minimal.

Mit einer Maschine (Dremel / Polierscheibe)

Ein rotierendes Tool mit Filz- oder Baumwollscheibe geht deutlich schneller, braucht aber Fingerspitzengefühl.

Achtung: Reibungswärme!
Ein Dremel dreht mit mehreren tausend Umdrehungen pro Minute. Durch die Reibung an einer Stelle entsteht in wenigen Sekunden genug Hitze, um PLA weich werden zu lassen. Das Ergebnis kann eine unschöne, verschmierte Stelle in Ihrem sauberen Modell sein.

  • Tipp 1: Stellen Sie das Gerät auf die niedrigste mögliche Stufe.
  • Tipp 2: Bleiben Sie in Bewegung. Halten Sie das Tool nie an einer Stelle still.
  • Tipp 3: Üben Sie kaum Druck aus; lassen Sie das Poliermittel die Arbeit machen.

Alternative: Klarlack (Clear Coat)

Ist Ihnen Polieren zu aufwendig? Eine Sprühdose mit Hochglanz-Klarlack liefert oft ein ähnliches Ergebnis ('Wet-Look') ohne viel körperliche Arbeit. Das füllt die letzten Mikrokratzer auf und sorgt direkt für Glanz.

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