Wenn du ein 3D-Modell in deiner Slicer-Software vorbereitest, etwa in Cura oder PrusaSlicer, kommst du schnell zum Bereich Build Plate Adhesion. Dort findest du drei Optionen, die auf den ersten Blick ähnlich wirken, aber unterschiedliche Aufgaben haben: Skirt, Brim und Raft. Die passende Haftungsoption ist wichtig für ein sauberes Druckergebnis, besonders bei Modellen mit kleiner Auflagefläche oder bei Materialien, die zu Schrumpfung neigen.
Brim, Raft und Skirt
Ziel dieser Einstellungen ist zweierlei: Erstens wird der Materialfluss vor dem eigentlichen Modell stabilisiert (Priming). Zweitens kann das Objekt besser auf der Bauplatte verankert werden, damit sich die erste Schicht möglichst gleichmäßig aufbaut.
1. Skirt: Die Aufwärmrunde
Ein Skirt ist eine dünne Filamentlinie, die rund um dein Modell gedruckt wird, das Objekt aber nicht berührt. Weil kein Kontakt zum Modell entsteht, trägt der Skirt nichts zur Haftung oder Stabilität bei. Trotzdem ist das die häufigste Standardeinstellung.
Warum verwendet man einen Skirt?
- Priming der Düse: Zu Beginn eines Drucks ist die Düse oft noch nicht komplett mit Material gefüllt oder es befindet sich eine kleine Luftblase im System. Der Skirt wirkt dann wie ein Teststreifen, damit der Materialfluss sauber anläuft. So reduzierst du das Risiko, dass die ersten Zentimeter des eigentlichen Modells durch Unterextrusion beeinträchtigt werden.
- Leveling-Check: Der Skirt gibt dir eine visuelle Kontrolle über die Bettkalibrierung. Wenn die Linie links schön angedrückt ist, rechts aber locker aufliegt oder sehr dünn erscheint, siehst du sofort, dass das Druckbett noch nicht sauber eingestellt ist. Dann kannst du den Druck abbrechen und korrigieren, bevor Material unnötig verbraucht wird.
- Sicherheitszone: Der Skirt zeigt genau, wo auf dem Druckbett gedruckt wird. So kannst du prüfen, ob das Modell nicht versehentlich über eine Bettklemme oder einen Clip hinausläuft.
2. Brim: Der Rand
Ein Brim ähnelt einem Skirt, hat aber einen entscheidenden Unterschied: Die Linien werden an der Außenseite deines Modells angesetzt. Dadurch entsteht ein dünner, breiter Rand rund um die Basis des Objekts.
Wann ist ein Brim sinnvoll?
Der Brim ist ein wirkungsvolles Hilfsmittel gegen Warping. Materialien wie ABS, ASA und mitunter auch PETG neigen beim Abkühlen zu Schrumpfung. Dadurch entstehen Spannungen, die die Ecken des Modells anheben können. Ein breiter Brim vergrößert die Kontaktfläche zur Bauplatte deutlich und unterstützt damit die Haftung der ersten Schichten.
Außerdem ist ein Brim bei Modellen mit kleiner Auflagefläche im Verhältnis zur Höhe hilfreich. Denk etwa an eine stehende Zylindervariante oder eine Figur auf schmalen Standflächen. Ohne Brim kann es passieren, dass die Düse das Objekt während des Drucks verschiebt. Der Brim wirkt hier wie ein stabilisierender Fuß rund um das Modell.
Der Nachteil eines Brims liegt in der Nacharbeit. Nach dem Druck muss der Rand entfernt oder vorsichtig abgelöst werden. Wenn das nicht sauber passiert, kann an der Unterseite eine helle, leicht sichtbare Kante zurückbleiben. Ein passendes Entgratungswerkzeug ist dafür hilfreich.
3. Raft: Das Fundament
Ein Raft ist die einschneidendste Option. Dabei druckt die Maschine zuerst ein dickes, horizontales Gitter aus Material, das aus mehreren Schichten besteht. Erst danach wird das eigentliche Modell oben auf diesem Gitter gedruckt. Das Modell berührt das Druckbett also gar nicht direkt.
Die Vor- und Nachteile eines Rafts
Früher, in den Anfangsjahren des FDM-Drucks, als beheizte Druckbetten noch selten waren und Bauplatten oft uneben waren, war ein Raft deutlich verbreiteter. Heute gilt es eher als Sonderlösung. Sinnvoll ist es nur in bestimmten Ausnahmesituationen:
- Beschädigtes Druckbett: Wenn dein Bett stark zerkratzt oder ungleichmäßig ist, kann ein Raft eine gleichmäßigere Grundlage für das Modell schaffen.
- Starke Schrumpfung: Bei größeren, massiveren Formstudien aus ABS kann die Schrumpfung so stark sein, dass selbst ein Brim nicht ausreicht. Ein Raft federt diese Spannungen besser ab; das Fundament kann sich dabei etwas verziehen, während das Modell darüber oft stabiler bleibt.
Die Nachteile sind allerdings deutlich. Erstens verbraucht ein Raft mehr Material und Druckzeit. Zweitens ist die Unterseite deines Modells nie so sauber wie bei einem direkten Druck auf Glas oder PEI. Die Oberfläche wirkt oft rauer und faseriger. Und drittens kann das Entfernen eines Rafts recht mühsam sein. Die Air Gap-Einstellung im Slicer bestimmt, wie fest das Modell am Raft sitzt; ist sie zu knapp, lässt sich das Ergebnis nur schwer lösen.
Fazit: Die richtige Wahl treffen
Kurz zusammengefasst kannst du dich an folgenden Faustregeln orientieren:
- Skirt (Standard): Verwende ihn grundsätzlich als Basis, außer du hast einen konkreten Grund dagegen. Er braucht kaum Material und gibt dir Kontrolle über den Start.
- Brim (bei Risiko): Aktiviere ihn, wenn sich Ecken nach oben ziehen (Warping) oder wenn das Modell auf der Platte etwas instabil wirkt.
- Raft (Notlösung): Nutze ihn nur als letzte Option, wenn sonst nichts passt, oder wenn du auf einer sehr unebenen Unterlage arbeiten musst.