Polyethylenterephthalat Glykol

Lange Zeit mussten sich Anwender entscheiden: drucke ich mit PLA (einfach, aber eher spröde und wenig temperaturbeständig) oder mit ABS (robust und temperaturbeständig, aber anspruchsvoller im Druck)? Dann kam PETG. Dieses Material wird oft als der "goldene Mittelweg" beschrieben, der die gute Verarbeitbarkeit von PLA mit der Zähigkeit von ABS verbindet. Heute ist PETG eine sehr beliebte Wahl für visuelle Konzeptmodelle, Präsentationsmodelle und nicht-funktionale Anwendungsfälle.

Was ist PETG genau?

PET (Polyethylenterephthalat) kennen wir alle: Es ist der Kunststoff von Getränkeflaschen und vielen Textilien. Reines PET ist für den 3D-Druck allerdings eher heikel, weil es beim Erhitzen kristallisieren kann und dadurch spröde sowie weniger klar wird. Um das zu verbessern, wird Glykol hinzugefügt (das "G" in PETG). Diese chemische Anpassung verhindert die Kristallisation, wodurch das Material klarer bleibt und zäher wird. Das Ergebnis ist ein amorphes Copolymer mit sehr gutem Fließverhalten.

Die wichtigsten Vorteile

  • Zähigkeit und Duktilität: PETG ist das Gegenteil von spröde. Es ist ein duktiles Material, das sich unter Belastung eher etwas verformt oder nachgibt, bevor es bricht. Das macht es für Clips, Halterungen und andere nicht-funktionale Bauteile interessant, bei denen eine gewisse Robustheit für die Präsentation gewünscht ist.
  • Schichthaftung: Die Haftung zwischen den Schichten (Layer Bonding) ist bei PETG sehr gut. Wo ABS-Modelle manchmal entlang der Schichten aufgehen, verbindet sich PETG oft sehr gleichmäßig, sodass ein gedrucktes Teil in der Z-Richtung meist schön geschlossen wirkt.
  • Chemische und UV-Beständigkeit: PETG ist beständig gegen Wasser, viele Chemikalien (Säuren und Laugen) und auch gegen UV-Licht recht ordentlich. Im Außenbereich zeigt es sich oft langlebiger als ABS oder PLA. Es ist von Natur aus außerdem wasserabweisend.
  • Temperaturbeständigkeit: Mit einem Erweichungspunkt von rund 80°C liegt es deutlich über PLA (55°C) und eignet sich damit gut für viele Präsentations- und Ausstellungsanwendungen, außer in sehr heißen Umgebungen (zum Beispiel im Auto unter direkter Sonneneinstrahlung).

Druckherausforderungen: Stringing und Oozing

Auch wenn PETG leichter zu drucken ist als ABS (kein geschlossener Bauraum nötig, wenig Warping), hat es seine Eigenheiten:

  • Stringing (Spinnweben): PETG ist bei Drucktemperatur sehr fließfreudig und etwas "klebrig" (230°C - 250°C). Während Bewegungen kann es daher leicht aus der Düse tropfen (Oozing), was feine Fäden zwischen einzelnen Bereichen erzeugt. Sauber eingestellte Retraktion-Werte sind hier wichtig.
  • Haftung am Druckbett: PETG haftet manchmal zu gut. Wenn direkt auf einer Glasplatte gedruckt wird, kann das Material beim Abkühlen so stark anziehen, dass die Glasoberfläche leidet. Verwenden Sie deshalb immer eine Trennschicht wie einen Klebestift, Haarspray oder eine spezielle 3D-Druckbeschichtung auf Glas, oder eine PEI-Plate.
  • Feuchtigkeitsaufnahme (Hygroskopie): PETG zieht Feuchtigkeit aus der Luft an. Feuchtes Filament knistert und blubbert beim Drucken, was zu einer raueren Oberfläche und schlechteren Ergebnissen führen kann. Lagern Sie PETG-Spulen daher immer trocken, am besten mit Silica-Gel.

Transparenz

PETG ist von Natur aus klar. Ungefärbtes ("Natural" oder "Clear") PETG kann für lichtdurchlässige Objekte verwendet werden, zum Beispiel für Lampenschirme, Vasen oder Lichtleiter für LEDs. Auch wenn es nie ganz so klar wird wie Glas, können Sie mit passenden Einstellungen (100% Infill, dickere Schichten, höhere Temperatur) sehr schöne transparente Effekte erzielen.

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