3D-Scannen: vom Teil zum digitalen Modell

Du hast das Teil in der Hand und keine Datei dazu. Beim Scannen halten wir die Form dieses Teils digital fest, damit es sich nachdrucken lässt oder damit etwas darumherum konstruiert werden kann. Zurück kommt ein Netz: ein Gitter aus Dreiecken, das die Oberfläche beschreibt.

Ein 3D-Scan liefert ein Netz: ein Gitter aus kleinen Dreiecken, das die Außenhaut deines Teils beschreibt. Das reicht, um das Teil wieder zu drucken oder eine Halterung darumherum zu bauen. Es ist ein digitaler Abdruck einer Oberfläche, keine Zeichnung.

Ein Scan liefert ein Netz, kein konstruiertes Modell. An diesem Satz hängt die ganze Erwartung. In einem Netz kannst du keine Bohrung verschieben, keine Wandstärke ändern und kein Maß nachziehen: alles steckt in den Dreiecken. Zieh an einem, dann bewegt sich eine Delle mit und sonst nichts. Soll das Teil nachher passen oder änderbar sein, wird es als CAD-Modell neu aufgebaut, und dieser Schritt heißt Reverse Engineering.

Ein Scan hält außerdem fest, was da ist, und nicht, was der Konstrukteur gemeint hat. Ein abgenütztes Zahnrad scannt als abgenütztes Zahnrad, mit den Kratzern und den verbogenen Kanten dazu. Gut, wenn du das Teil so festhalten willst, wie es heute ist. Lästig, wenn du die ursprünglichen Maße suchst. Wie das Messen dahinter funktioniert, steht bei 3D-Scannen in der Wissensdatenbank.

Ein Scanauftrag in Kürze

Was du mitbringst, was zurückkommt und was wir im Gespräch klären.

Du bringst mitDas Teil selbst, oder Fotos mit einem Lineal daneben
Du bekommstEin Netz der Oberfläche, so wie sie jetzt ist
GenauigkeitHängt vom Teil ab, wir klären das bei der Anfrage
Nicht dabeiEin änderbares Modell, das ist Reverse Engineering
GrenzeGeschützte Teile scannen und reproduzieren wir nicht
TerminIm Gespräch festgelegt, Druck in der Regel 7–10 Arbeitstage
PreisHängt vom Teil ab, das klären wir bei der Anfrage
Netz

Ein Gitter aus Dreiecken, das nur die Außenhaut eines Teils beschreibt: Punkte und die Dreiecke dazwischen, sonst nichts. Keine Zylinder, keine Bohrungen, keine Flächen. Ein Netz kannst du skalieren, reparieren und drucken, aber nicht auf Maß bringen.

Vom Netz zurück zu Flächen und Maßen

Was scannt gut und was nicht

Scannen arbeitet mit Licht. Was das Licht brauchbar zurückwirft, wird erfasst. Was es spiegelt, schluckt oder durchlässt, wird zur Arbeit.

Scannt ohne Umstände

  • Matte Oberflächen: unbehandelter Kunststoff, Grauguss, geschliffenes Metall
  • Helle und mittlere Töne: weiß, grau, beige
  • Steife Teile, die ihre Form halten
  • Weiche Rundungen und größere Flächen

Scannt schwer oder nicht

  • Glänzendes Chrom und spiegelndes Metall
  • Glas und durchsichtiger Kunststoff
  • Tiefschwarz, matt genauso wie hochglänzend
  • Tiefe, enge Hohlräume und Hinterschneidungen
  • Sehr feines Detail und dünne Kanten
  • Weiche Teile, die sich beim Scannen bewegen

Warum diese Oberflächen zicken

Ein optisches Scanverfahren wirft Licht auf das Teil und schaut aus einem anderen Winkel, wie sich dieses Licht verformt. Aus der Verformung folgt die Form. Wo kein brauchbares Signal zurückkommt, kommt eh auch keine Form heraus. Das liegt am Verfahren und ist keine Aussage über ein bestimmtes Gerät.

Fast jedes Problem hat eine Lösung, nur kostet die Zeit oder sie berührt das Teil. Ein mattierender Spray macht eine glänzende oder schwarze Oberfläche messbar, und das Pulver geht wieder weg; bei einem fertig lackierten Stück reden wir aber gern vorher darüber. Was auseinandergeht, scannen wir in Teilen, und was gar nicht zu sehen ist, messen wir von Hand. Welcher Weg passt, hängt am Ziel: ein Modell, das nur gedruckt wird, darf gröber sein als eines, an dem eine Maßgenauigkeit hängt. Wie glatt das Teil am Ende ausschaut, ist noch einmal eine eigene Frage — dazu steht etwas bei Oberflächenqualität.

  • Matt, hell und steif: Eine matte Oberfläche streut das Licht gleichmäßig zurück, und ein steifes Teil bleibt stehen, wo du es hinstellst. Vorbereiten braucht es da nichts.

  • Glänzendes Chrom und spiegelndes Metall: Ein Spiegel wirft das Licht am Sensor vorbei. In der Messung entstehen Löcher oder Rauschen; ein dünner matter Überzug löst das meistens.

  • Glas und durchsichtiger Kunststoff: Licht geht durch und bricht sich, also wird etwas hinter der Oberfläche gemessen. Mattieren hilft, klare Stücke bleiben mühsam.

  • Tiefschwarz, matt oder hochglänzend: Schwarz schluckt das Licht, es kommt zu wenig zurück, um daraus eine Form abzuleiten. Die Kanten verschwinden zuerst.

  • Tiefe Hohlräume und Hinterschneidungen: Wo keine Sichtlinie ist, ist keine Messung. Eine enge Bohrung bleibt zu. Dann wird zerlegt, aus mehr Stellungen gescannt, oder das Maß von Hand genommen.

  • Feines Detail und dünne Kanten: Scharfe Ecken werden immer ein wenig verrundet: die Messpunkte liegen auf Abstand, und der Platz dazwischen wird aufgefüllt.

  • Weiche und bewegliche Teile: Gummi, Silikon und dünne Plättchen biegen sich durch, damit passen die Messungen nicht mehr zusammen. Aufspannen hilft, hält die Form dann aber in genau dieser Stellung fest.

Was du mitbringst und was du dazusagst

Ein Scan wird so gut wie die Information drumherum. Die sagt uns, worauf wir schauen und was wir extra messen.

01

Das Teil, oder gute Fotos

Am liebsten das Teil selbst, weil am Teil gescannt wird und nicht am Foto. Geht das nicht, dann scharfe Fotos von allen Seiten, mit einem Lineal daneben.

02

Welche Maße kritisch sind

Die Achse, die hineinpasst, der Abstand zwischen zwei Bohrungen, die Höhe, auf der etwas anschlägt. Die nehmen wir eigens dazu.

03

Welche Flächen und Bohrungen tragen

Eine Passfläche oder ein Lagersitz ist etwas anderes als eine Zierrundung. So wissen wir, wo das Ergebnis streng sein muss.

04

Ob das Teil beschädigt oder verschlissen ist

Sag dazu, was gebrochen, abgenützt oder verbogen ist, denn ein Scan übernimmt den Schaden wörtlich. Ein zweites, heiles Exemplar erspart viel Raten.

05

Wo es nachher hineinpassen muss

Die Umgebung entscheidet oft mehr als das Teil selbst. Nenn das Gerät oder den Zusammenbau, und ob es klemmt, schiebt oder dreht.

06

Was du mit dem Ergebnis vorhast

Nachdrucken, ändern oder nur aufheben: dieses Ziel bestimmt, wie fein gescannt wird und wie viel Aufräumarbeit danach anfällt.

Wann Scannen nicht der klügere Weg ist

Da ist Scannen richtig

  • Eine freie, organische Form, die keiner nachzeichnet: eine Figur, eine Haube mit doppelter Krümmung
  • Ein Teil, das nirgends mehr zu kaufen ist
  • Ein Stück, das du festhalten willst, bevor es weiter abnützt
  • Eine bestehende Form, um die etwas herumpassen soll: eine Halterung, ein Deckel
  • Ein Teil mit vielen Übergängen, von dem es keine Zeichnung gibt

Da machst du besser etwas anderes

  • Einfache Geometrie: ein Plättchen mit vier Bohrungen ist schneller gemessen und gezeichnet
  • Ein Teil, das zu groß ist, um es zu handhaben — leg die Größe vorher vor
  • Ein verschlissenes Teil, von dem du die ursprünglichen Maße brauchst; der Scan hält den Verschleiß fest
  • Ein Teil, das es normal zu kaufen gibt: ein Standardlager, eine Schraube
  • Etwas, das noch nicht existiert; dann ist eh nichts zu scannen
Was wir nicht scannen und nicht reproduzieren

Ein 3D-Scan macht das Kopieren leicht, und nicht alles darf kopiert werden. Teile, an denen erkennbar ein Urheber- oder Markenrecht hängt, scannen und reproduzieren wir nicht. Ein Ersatzdeckel für dein eigenes Gerät: eh kein Thema. Ein nachgemachtes Markenprodukt: nein. Ob an einem Teil Rechte hängen, kannst du besser einschätzen als wir, deshalb liegt die Rechtelage bei dir — im Zweifel leg es vor, bevor du etwas wegschickst.

Wie es nach dem Scan weitergeht

Der Scan ist selten das Ende. Willst du das Teil zurück, wie es war, kann das Netz nach dem Aufräumen in die Fertigung: ab da ist es normaler 3D-Druck. Den Preis siehst du nach dem Hinaufladen im Drucktool, versendet wird nach Österreich, Deutschland, Belgien und in die Niederlande, in der Regel in 7–10 Arbeitstagen und bei der Bestellung bestätigt. Der Termin für das Scannen selbst wird im Gespräch festgelegt, weil er am Teil hängt.

Soll sich etwas ändern, eine dickere Wand oder eine verschobene Bohrung, dann ist das Netz nur eine Zwischenstation und das Teil wird als Modell neu aufgebaut. Hast du kein Teil, sondern nur eine Skizze, dann geht es nicht um Scannen, sondern um 3D-Modellierung.

Was du selbst in die Hand bekommst, halten wir bei der Anfrage fest: manchmal nur das gedruckte Teil, manchmal eine Datei, mit der du weiterarbeitest. Ein Standardformat gibt es bei uns nicht, brauchst du also ein bestimmtes, dann sag es dazu — welche Dateiformate sinnvoll sind, hängt an deinem Ziel. Soll das Teil nachher auch etwas hergeben, folgt die Nachbearbeitung. Für Geschäftskunden ist eine Verschwiegenheitserklärung besprechbar, und Betriebe aus Oberösterreich und der Steiermark bringen das Teil auch einmal selbst in Linz vorbei.

Wohin geht es nach dem Scan?

Wähl den Weg, der zu deinem Teil passt.

Häufige Fragen zum 3D-Scannen

Teil in der Hand, keine Datei?

Leg uns dein Teil vor

Beschreib, was du hast, wo es hineinpassen muss und was danach damit geschehen soll. Dann hörst du, ob Scannen der vernünftige Weg ist.

  • Pro Teil abgestimmt
  • Ehrliche Auskunft, wenn Scannen nichts bringt
  • Danach weiter zum Druck oder zum Neuaufbau
Über einen Scan reden