Roh vom Drucker
Du bekommst: die Maße aus deiner Datei, kein verlorenes Detail, den niedrigsten Aufwand. Du gibst her: eine sichtbar gedruckte Oberfläche.
Ein Teil kommt mit den Maßen aus dem Drucker, die du gezeichnet hast — und mit sichtbaren Schichtlinien. Was danach passiert, entscheidet, wie es ausschaut: Stützspuren weg, schleifen, füllen, grundieren, lackieren. Jede Stufe baut auf der vorigen auf.
Nachbearbeitung ist alles, was nach dem Drucken mit einem Teil passiert, damit es anders ausschaut oder sich anders anfühlt. Stützspuren entfernen und die Ansatzpunkte putzen gehört zum Druck und ist immer dabei. Schleifen, Füller, Grundierung, Farbe und Airbrushing sind Zusatzarbeit, die du dazu wählst.
Meistens wird das als Häkchenliste dargestellt, als könnte man sich irgendwo etwas herauspicken. So läuft es nicht. Das ist eine Leiter: roh vom Drucker, Stützspuren weg und geputzt, geschliffen, gefüllt und grundiert, und erst dann lackiert. Mitten hinein einsteigen geht nicht.
Dahinter steckt ein einziges Missverständnis: Lack füllt Schichtlinien nicht, er macht sie sichtbarer. Eine Lackschicht legt sich als dünne Haut über das Relief und wirft das Licht gleichmäßig zurück — damit tritt jede Rille erst richtig hervor. Schleifen ist also kein Luxus, sondern die Voraussetzung für eine saubere Farbe. Bei SLA steigst du ein paar Stufen höher ein, weil die Schichten dort kaum zu sehen sind. Was ohne jede Nachbearbeitung an Oberflächenqualität aus der Maschine kommt, ist der Startpunkt.
Worauf du dich verlassen kannst.
Zwei Dinge sind immer dabei. Stützspuren entfernen gehört zum Drucken: ein Teil geht nicht mit Stützmaterial dran in die Schachtel, die Ansatzpunkte werden weggeputzt und die Kanten entgratet, und das zählt zur mechanischen Nachbearbeitung. Und ein Resin-Teil wird immer gewaschen und nachgehärtet — das ist keine Oberflächenveredelung, sondern ein Pflichtschritt, ohne den das Teil nicht fertig ist.
Alles danach ist Handarbeit und wird pro Auftrag abgestimmt. Wie viel Arbeit drinsteckt, hängt vom Modell ab, vom Material und davon, wie weit du gehen willst. Nicht als Standardleistung im Angebot ist Vapor Smoothing: das braucht Lösungsmitteldampf und passt nur zu bestimmten Materialien. Frag im Einzelfall nach, dann schauen wir, was geht.
Gehört zum Drucken: Stützspuren entfernen, Ansatzpunkte wegputzen, Kanten entgraten. Bei Resin dazu waschen und nachhärten, sonst bleibt nicht ausgehärtetes Harz zurück und das Teil ändert noch die Form.
Zusatzarbeit, separat abgestimmt: Schleifen, Füller, Grundierung, Lackieren, Airbrushing, Polieren, dazu Kleben und Montieren. Jede Stufe kommt pro Stück wieder.
Nicht als Standardleistung: Vapor Smoothing und andere chemische Nachbearbeitung mit Lösungsmitteln. Wir reden im Einzelfall darüber, standardmäßig anbieten tun wir es nicht.
Fünf Stufen. Pro Stufe: was du bekommst und was du dafür hergibst.
Du bekommst: die Maße aus deiner Datei, kein verlorenes Detail, den niedrigsten Aufwand. Du gibst her: eine sichtbar gedruckte Oberfläche.
Du bekommst: keine Grate und keine scharfen Reste, fertig zum Montieren. Du gibst her: praktisch nichts, das gehört eh zum Druck. Die Schichtlinien bleiben.
Du bekommst: Schichtlinien, die größtenteils verschwinden, und eine gleichmäßig matte Haut. Du gibst her: Zeit und Geld, dazu scharfe Kanten und feines Relief, die mitgehen.
Du bekommst: gefüllte Poren und Nähte, einen einheitlichen Untergrund, auf dem du siehst, was noch nicht passt. Du gibst her: Schleifarbeit zwischendurch und Aufbau auf allen Maßen.
Du bekommst: Farbe und Oberfläche, ein Teil, das man nicht mehr als Druck erkennt. Du gibst her: den größten Teil der Arbeit, und Lack, der knappe Passungen zusetzt.
Jede Stufe macht die Arbeit der nächsten erst möglich. Füller haftet schlecht auf einer glatten, ungeschliffenen Fläche. Die Grundierung zeigt, was noch gefüllt werden muss, und nicht umgekehrt. Lack über ungeschliffenen Schichten gibt ein glänzendes Teil, in dem die Linien noch alle drin sind.
Schleifen ist die Stufe, an der der Rest hängt: alles danach ist nur so gut wie die Schleifarbeit darunter. Wer den Schritt überspringt und gleich zu Grundierung und Lack geht, zahlt für einen Arbeitsschritt, der das Problem sichtbar macht statt es zu lösen. Ganz hinauf muss man eh nicht: bei einem Funktionsteil ist Stufe zwei meistens das Klügste. Und soll etwas glänzen, ohne Lack, dann führt Polieren nach dem Feinschliff weiter.
Mit immer feinerem Korn wird die Fläche eben. Für Sichtflächen, und als Pflichtvorarbeit vor jeder Farbe.
Der Füller schließt die Poren, die das Schleifen übrig lässt. Die Grundierung macht daraus eine Farbe und verrät, was noch nicht glatt ist.
Eine deckende Farbschicht über das ganze Teil, ohne Streifen. Für Teile, die in einer festen Farbe gleichmäßig ausschauen sollen.
Ein feiner Strahl, mit der Hand geführt, für Verläufe, Schatten und Akzente. Für Modelle, bei denen das Bild vor der glatten Fläche kommt.
Einzelteile werden zu einem Ganzen gesetzt und die Naht weggearbeitet. Für Modelle, die größer sind als das Druckbett, oder aus mehreren Farben aufgebaut.
Nach dem Feinschliff wird die Fläche aufgerieben, bis sie glänzt. Für harte Materialien und Flächen, die spiegeln sollen.
Lackieren legt eine deckende Farbe über das ganze Teil und gibt eine gleichmäßige Oberfläche. Der Ablauf ist immer derselbe: schleifen, Füller, schleifen, Farbe, auf Wunsch Klarlack. Was es nicht macht: einen Verlauf oder ein Muster.
Airbrushing kann das schon: Farbübergänge, Schatten und Details auf kleinen Flächen, mehrfarbige Bemalung auf Figuren und Modellen, mit der Hand aufgebaut. Das ist Handarbeit pro Stück und damit die aufwendigste Stufe, deshalb läuft es nach Absprache und nach Vorlage oder Referenzbild. Steckt die Farbe schon im Filament oder im Harz, brauchst du gar keine Farbe darauf; was direkt aus der Maschine an Farbe möglich ist, steht auf einer eigenen Seite.
Nicht jedes Material lässt sich gleich gut nachbearbeiten. Flexibles Material ist die deutlichste Ausnahme: es gibt unter dem Schleifpapier nach, und Farbe haftet schlecht, weil die Schicht mitgeht und dann reißt oder abgeht.
PLA und Resin: Lassen sich gut schleifen und gut lackieren. Resin fängt mit einer feineren Oberfläche an, also bleibt weniger Schleifarbeit.
PETG: Zäher. Beim Schleifen schmiert PETG eher zu, statt Staub abzugeben — damit bist du länger dabei.
ABS und ASA: Gut zu schleifen und gut zu kleben. ABS und ASA reagieren auf Aceton, das arbeitet Nähte weg, greift aber feines Detail an.
Flexibel (TPU): Kaum zu schleifen und schlecht zu lackieren. Nimm hier die Farbe des Materials selbst.
Schleifen nimmt Material weg, und jede Schicht Füller, Grundierung und Lack baut auf. Eine knapp gedachte Passung passt nachher womöglich nicht mehr. Ist ein Maß kritisch — ein Achsloch, ein Gewinde, eine Klemmung —, dann gib das vorher durch, dann halten wir die Flächen frei. Was im Druckprozess eh schon an Maßgenauigkeit drinsteckt, steht in der Wissensdatenbank.
Nachbearbeitung ist Handarbeit, die pro Stück wiederkommt. Der Drucker legt ein zweites Exemplar nach, ohne dass einer daneben steht. Schleifen, füllen und lackieren muss jemand dreißigmal von Neuem machen.
Bei einem Exemplar fällt das im Gesamtpreis nicht auf. Bei einer Serie kippt das Verhältnis, und die Oberfläche ist dann oft der größte Posten — größer als das Drucken selbst. Dann lohnt es sich, das schon im Entwurf zu lösen: eine Fläche so legen, dass keine Stützen darauf kommen, oder eine Materialfarbe nehmen statt Lack. Werkstätten in Oberösterreich und der Steiermark, die Muster für die Messe brauchen, rechnen das von Anfang an mit; wie das bei Gewerbekunden abläuft, steht auf einer eigenen Seite.
Sag, wo das Teil steht, welche Flächen man später sieht und um wie viele Stück es geht. Dann sagen wir, welche Stufen sinnvoll sind und welche du dir sparen kannst.