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ASA oder ABS: was nimmst du, und wann keines von beiden?

Draußen ist es ASA, drinnen ABS. Der Unterschied zwischen den zwei ist aber kleiner, als der Preis vermuten lässt, und für viele Teile ist PETG die bessere Antwort auf beides.

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KategorieMaterialien

Bleibt das Teil draußen, dann nimm ASA. Bleibt es drinnen, macht ABS dieselbe Arbeit für weniger Geld. Das ist die kurze Antwort, und für die meisten Teile ist es auch schon die ganze.

Der Grund dahinter ist aber schon interessant. Der Unterschied steckt in einem einzigen Baustein des Polymers, und der bestimmt genau eine Eigenschaft: wie das Material auf UV-Licht reagiert. Bei Festigkeit, Steifigkeit und Wärmebeständigkeit liegen beide nahe beieinander. Wer ASA nimmt, weil es das bessere ABS sein soll, zahlt also mehr für eine Eigenschaft, die drinnen nichts bringt.

Und dann ist da noch eine Frage, die öfter gestellt werden sollte: muss es überhaupt eines von beiden sein?

ASA und ABS nebeneinander

Indikative Datenblattwerte. Die Zahlen unterscheiden sich je Hersteller und je Charge, nimm sie also, um die Richtung zu wählen, und nicht, um eine Konstruktion damit durchzurechnen.

Zugfestigkeit
ASA 40–50 MPa · ABS 34–45 MPaASA liegt etwas höher, in der Praxis selten entscheidend
Glasübergang (Tg)
ASA ≈ 100 °C · ABS ≈ 105 °CDort wird das Material weich
HDT
ASA 86–93 °C · ABS ≈ 98 °CFormbeständigkeit unter Last, brauchbarer als Tg
Dichte
ASA 1,07 g/cm³ · ABS 1,04 g/cm³Beim gleichen Modell praktisch dasselbe Gewicht
Schwindung
ASA 0,4–0,7 % · ABS 0,7–1,6 %ABS schwindet mehr und verzieht sich deshalb schneller
UV-Beständigkeit
ASA gut · ABS schlechtDer einzige Unterschied, auf den es wirklich ankommt

Wo sie sich gleichen

ASA und ABS sind verwandt. ABS steht für Acrylnitril-Butadien-Styrol, ASA für Acrylnitril-Styrol-Acrylat. Zwei von drei Bausteinen sind identisch, nur das Butadien ist durch ein Acrylat ersetzt. Alles, was diese zwei gemeinsamen Bausteine bestimmen — Steifigkeit, Schlagfestigkeit und wie sich das Material schleifen, kleben und lackieren lässt —, ist deshalb fast dasselbe.

Damit teilen sie auch die unangenehmen Seiten. Beide wollen eine heiße Düse und ein heißes Bett, beide drucken am besten in einer geschlossenen Kammer, beide schwinden beim Abkühlen merkbar, und beide geben Dämpfe ab, für die du Lüftung brauchst. Wer mit dem einen kämpft, kämpft auch mit dem anderen.

  • Steifigkeit und Schlagfestigkeit: Vergleichbar. ASA steht bei der Zugfestigkeit etwas höher, der Unterschied verschwindet aber neben dem Einfluss von Wandstärke, Füllgrad und Druckrichtung.

  • Nachbearbeitung: Beide lassen sich gut schleifen, kleben und lackieren, und beide reagieren auf Aceton — ein Nachteil bei chemischer Belastung, ein Vorteil beim Glätten.

  • Druckverhalten: Beide brauchen eine geschlossene Kammer, beide sind zugempfindlich, bei beiden löst sich das Teil bei großen flachen Flächen gern vom Bett.

  • Dämpfe: Beide enthalten Styrol. Drucke in einem gelüfteten Raum, nicht im Wohnzimmer.

Der einzige echte Unterschied: was UV-Licht mit Butadien macht

Butadien enthält Doppelbindungen zwischen Kohlenstoffatomen. Die sind reaktiv, und UV-Licht baut sie ab. Bei ABS kannst du dabei zuschauen: die Oberfläche vergilbt, verliert den Glanz und wird außen brüchig, dann entstehen Haarrisse, die weiter nach innen laufen. Ein ABS-Teil, das einen Sommer am Balkon in der prallen Sonne gelegen hat, ist danach sichtbar und messbar anders als an dem Tag, an dem es aus dem Drucker gekommen ist.

In ASA sitzt an dieser Stelle ein Acrylat, und das ist gesättigt: keine Doppelbindungen, also nichts, wo UV ansetzen kann. Darum bleibt ASA draußen viel länger farbtreu und behält seine Schlagfestigkeit. Das ist kein Marketingunterschied, sondern ein chemischer, und es ist der einzige Grund, warum ASA überhaupt existiert.

Schau aber genau, was hier nicht steht. ASA ist draußen nicht unzerstörbar: auch ASA verfärbt sich auf Dauer, bei kräftigen Farben schon früher, und Regen, Frost und mechanische Belastung machen halt ihre Arbeit. ASA verschiebt die Haltbarkeit von Saisonen auf Jahre, die Uhr stellt es nicht ab.

ASA und ABS, indikativ verglichen

Relative Werte von 1 bis 5, gedacht, um die Richtung zu wählen. Keine Messwerte. Mehr Punkte ist günstiger.

EigenschaftASAABS
Außeneinsatz und UV
Farbstabilität auf Dauer
Wärmebeständigkeit
Schlagfestigkeit
Druckbarkeit
Verfügbarkeit und Farbauswahl
Materialkosten pro Kilo
Tg oder HDT: welche Zahl brauchst du?

Tg ist die Glasübergangstemperatur: dort geht das Polymer von hart und steif in weich und zäh über. HDT ist die Formbeständigkeitstemperatur unter Last, gemessen nach ISO 75 mit einem festen Gewicht auf einem Prüfstab, meist 0,45 oder 1,8 MPa. Für ein Teil, das Kraft aufnehmen muss, ist HDT die brauchbare Zahl, und die liegt immer unter Tg. Hersteller nennen manchmal auch die Vicat-Temperatur, gemessen mit einer Nadel, die sich ins Material drückt, und die liegt wieder höher. Drei Zahlen, drei Messmethoden — vergleiche sie also nie durcheinander.

Druckeinstellungen nebeneinander

Startpunkte, kein Rezept. Dein Drucker, deine Filamentmarke und die Form deines Teils bestimmen am Ende, was funktioniert.

Düse ASA250–265 °C
Düse ABS240–260 °C
Bett ASA≈ 110 °C
Bett ABS100–110 °C
DruckkammerFür beide dringend empfohlen
KühlungPraktisch aus, Kühlung reißt die Schichten auf
ASA will im Schnitt zehn Grad mehr als ABS. Druckst du beide auf demselben Drucker, ist das das Wichtigste, was du umstellen musst.
Die Schwindung ist bei beiden das eigentliche Problem

ABS schwindet indikativ 0,7 bis 1,6 Prozent, ASA 0,4 bis 0,7 Prozent. Das klingt klein, über eine Fläche von 200 mm sind es aber Millimeter, und diese Spannung zieht die Ecken vom Bett. Große flache Teile sind mit beiden Materialien heikel. Warping hältst du mit geschlossener Kammer, einem sauberen und warmen Bett, einem Brim und so wenig Zug wie möglich in Schach. ASA ist da etwas gutmütiger, das ist aber ein gradueller Gewinn und keine Lösung.

Wann nimmst du welches?

Nimm ASA, wenn

  • Das Teil draußen bleibt: Balkon, Terrasse, Fassade, die Hütte, ein Halter am Fahrrad
  • Das Gehäuse am Dach sitzt und Sonne im Sommer und Frost im Jänner mitmachen muss
  • Es hinter Glas in der prallen Sonne liegt, etwa am Armaturenbrett
  • Die Farbe jahrelang passen muss
  • Ein Austausch mühsam ist und du es einmal richtig machen willst

Nimm ABS, wenn

  • Das Teil drinnen bleibt und aus der Sonne
  • Du auf die Materialkosten schaust
  • Du eine Farbe oder Variante brauchst, die es nur in ABS gibt
  • Du das Teil mit Aceton glätten willst
  • Es ein Testmodell ist, das eh wieder ersetzt wird

Die Frage, die öfter gestellt werden sollte

Muss es überhaupt ASA oder ABS sein? Beide wollen eine geschlossene Kammer, hohe Temperaturen und Geduld, und beide liefern öfter einen misslungenen Druck als ruhigere Materialien. Bei einem guten Teil der Anfragen für ASA oder ABS ist PETG die klügere Antwort: zäh, chemisch recht beständig, deutlich einfacher zu drucken und draußen gut brauchbar, nur auf lange Sicht weniger farbstabil als ASA.

Am anderen Ende steht Polycarbonat: deutlich steifer und mit einer Tg um 145 °C das wärmebeständigste Material, das wir drucken. Das ist die Wahl, wenn das Teil wirklich heiß wird, nicht wenn es nur draußen liegt.

Faustregel: draußen und farbtreu ist ASA. Heiß ist PC. Alles dazwischen fängt bei PETG an, und ABS ist die günstige Lösung für innen, wenn du die Eigenschaften von Styrol willst, ohne den Aufpreis für UV-Beständigkeit.

Lackieren statt ASA: geht das?

Zum Teil, und es ist eine echte Möglichkeit, wenn eh schon ABS im Haus ist. Eine UV-beständige Lackschicht hält das Licht ab, solange die Schicht ganz ist, und Grundierung und Lack machen ein gedrucktes Teil ohnehin sauberer. Eine Lackschicht auf einer gedruckten Oberfläche ist aber empfindlich: die Schichtlinien bilden Mikrorisse, in die Feuchtigkeit kriecht, und an einer Kante oder einem Eck schleift sich der Lack zuerst ab. Genau dort fängt der UV-Abbau dann trotzdem an.

Für ein Deko-Objekt, das du in zwei Jahren eh neu machst, ist Lackieren in Ordnung. Für einen Halter, der zehn Jahre am Dach sitzen soll, kostet es mehr Arbeit als es wert ist. Das Schleifen vorweg gehört dazu, sonst zeichnen sich die Schichtlinien durch den Lack durch, und das ist Handarbeit, die bei jedem Stück wieder anfällt. Da druckst du besser gleich in ASA.

Häufige Fragen zu ASA und ABS

Rechne es an deinem eigenen Modell durch

Der ehrlichste Vergleich ist der an deinem Teil. Lade die Datei im Drucktool hoch und wechsle das Material: du siehst den Preisunterschied zwischen ASA und ABS für genau dieses Modell, statt eines Preises pro Kilo, der nichts darüber sagt, wie viel Material deine Geometrie braucht. Wir drucken beide im FDM-Verfahren, mit einer Lieferzeit von in der Regel 7–10 Arbeitstagen, die bei der Bestellung bestätigt wird.

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